Die FRISCH AUF!-TOP-7 mit Einschätzungen von Velimir Petkovic

FRISCH AUF! hat in den vergangenen Wochen über seine social-media-Kanäle eine Abstimmung durchgeführt, bei der im Rahmen der Aktion "FRISCH AUF! der Platte - Eure TOP 7" über eine Fanwahl die FRISCH AUF!-Mannschaft aller Zeiten bestimmt werden sollte. FRISCH AUF! gab jeweils eine Auswahl von vier ehemaligen oder aktuellen Spielern vor und die FRISCH AUF!-Fans stimmten darüber ab. Logisch ist bei einer solchen Abstimmung, dass Spieler des aktuellen Kaders oder aus der jüngeren Vergangenheit Vorteile gegenüber den Spielern aus länger zurückliegenden Jahrzehnten haben. Nur die wenigsten der heutigen Hallenbesucher haben die Spieler der 50er bis 70er Jahre live spielen gesehen. Zudem fließen neben einer Einschätzung von Leistungsattributen auch Sympathiewerte mit ein. Gleichwohl ergab sich ein sehr interessantes und aussagekräftiges Ergebnis für die FRISCH AUF!-TOP-7:

Im Tor gewann Enid Tahirovic, der bei den Europapokalsiegen der Jahre 2011 und 2012 das FRISCH AUF!-Tor hütete. Auf Linksaußen setzte sich mit dem deutschen Nationalspieler Marcel Schiller ein Spieler des aktuellen Kaders durch, der an den Europapokalsiegen 2016 und 2017 beteiligt war. Auf Halblinks war die Auswahl groß und die Fans wählten Lars Kaufmann, der in den Europapokal-Siegermannschaften 2011, 2016 und 2017 stand. Auf Rückraum Mitte setzte sich Weltmeister Michael "Mimi" Kraus (EHF Cup-Sieger 2016 mit FRISCH AUF!) nur knapp gegen Weltmeister und Vereinslegende Bernhard Kempa durch. Auf Halbrechts gewann erwartungsgemäß der frühere Weltklassemann und polnische Nationalspieler Jerzy "Jurek" Klempel. Auf Rechtsaußen lag Christian Schöne in der Fangunst vorne. Er war an allen vier Europapokalsiegen der 2010er Jahre beteiligt. Heute ist er Sportlicher Leiter der Grün-Weißen. Am Kreis setzte sich Manuel Späth durch, der auf eine lange und erfolgreiche FRISCH AUF!-Karriere mit insgesamt vier EHF-Cup-Siegen zurückblickt.

Zum FRISCH AUF!-Trainer aller Zeiten wurde etwas überraschend Velimir Petkovic gewählt. Natürlich hatte er mit seinen Mannschaften in insgesamt 10 Jahren Tätigkeit bei FRISCH AUF! viele Verdienste um die Entwicklung des Göppinger Handballs angesammelt und überdies mit zwei Europapokalsiegen 2011 und 2012 nach langer Durststrecke des Clubs wieder Trophäen für die Vereinsvitrinen ergattert, aber dass er sich, wenn auch knapp, gegen "Monsieur Handball" Bernhard Kempa, den Begründer des erfolgreichen FRISCH AUF!-Handballs, durchsetzen konnte, war nicht zu erwarten. Wir nutzen die Gelegenheit, um Velimir Petkovic persönlich zu gratulieren und seine Einschätzung der gewählten "FRISCH AUF!-TOP-7"-Mannschaft zu bekommen.

Frage: Hallo Petko, Gratulation zur Wahl des FRISCH AUF!-TOP-Trainers! Hast Du die Wahlen verfolgt? Was sagst Du zu Deiner Wahl?

Velimir Petkovic: Ich wurde aufmerksam darauf durch einen Facebook-Eintrag von Enid Tahirovic. Ich habe es dann sporadisch verfolgt, z.B. bei der Wahl von Mimi Kraus. Am Ende war ich doch etwas überrascht über meine Wahl. Ich habe schon gehofft, zum engsten Kreis der Trainer zu gehören, aber angesichts der großen Geschichte von FRISCH AUF!, insbesondere um Bernhard Kempa, habe ich nicht mit der Wahl gerechnet. Mich haben danach etliche Göppinger angerufen, zum Teil sogar damaliger Kritiker, und haben gratuliert. FRISCH AUF! hat damals auch in kritischen Phasen zu mir gehalten, und die Entwicklung hat mir und meinen damaligen engsten FRISCH AUF!-Weggefährten im Verein Recht gegeben.

Frage: Könntest Du bitte zu jedem der gewählten Spieler ein oder zwei Sätze aus Deiner Sicht sagen?

Velimir Petkovic: Zunächst freut es mich, dass beinahe alle Spieler zu meinen Mannschaften gehört haben, wenn auch bei Marcel Schiller nur in seinem ersten Jahr. Gerne gebe ich zu jedem Spieler eine Einschätzung ab. 

  • zu Enid Tahirovic: Über die Wahl von Enid freue ich mich besonders, auch weil ich ihn nach Göppingen geholt habe. Er hat FRISCH AUF! viel gegeben. Mit ihm gelang der erste große Erfolg und dank ihm haben wir uns damals in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga etabliert. Er hat sich mit Recht durchgesetzt, wenngleich ich auch Martin Galia hoch einschätze.
  • zu Marcel Schiller: Er ist ein Vertreter der jungen Garde und hat sich in den letzten Jahren richtig gut entwickelt. Für mich waren Uli Derad und Dragos Oprea auch auf hohem Level, aber die Wahl von Marcel Schiller ist absolut nachvollziehbar.
  • zu Lars Kaufmann: Er kam zu uns in einer Karrierephase, in der er selbst und andere nicht mit seiner Entwicklung zufrieden waren. Er hat bei uns menschlich und spielerisch voll reingepasst und ist von der Leistung her förmlich explodiert. Sein Beitrag zum EHF Cup-Sieg 2011 war das Ergebnis. Bei der Gelegenheit möchte ich an einen seiner Vorgänger erinnern, denn auch Jaliesky Garcia war ein toller Spieler.
  • zu Michael Kraus: Da brauche ich nicht viel zu reden. Er war mein Mann. Ich meine, wenn er damals noch ein wenig länger bei uns in Göppingen geblieben wäre, hätte seine ohnehin erfolgreiche Karriere noch besser verlaufen können. Seine Wahl ist für mich aber absolut korrekt.
  • zu Jerzy Klempel: Er war ohnehin einer der größten Handballer aller Zeiten, also selbstverständlich dann auch in Göppingen. Er wird für immer in den Herzen der FRISCH AUF!-Fans bleiben.
  • zu Christian Schöne: Er kam aus Magdeburg zu uns und war wie erwartet sofort eine enorme Verstärkung für uns. Er war über die ganze Zeit ein verlässlicher Leistungsträger. Er hat viel für FRISCH AUF! getan und mit FRISCH AUF! große Erfolge erreicht.
  • zu Manuel Späth: Wir haben ihn damals zu Beginn seiner Bundesligakarriere als Nummer 2 auf der Position Kreis geholt. Viele sehr gute Kreisläufer kamen in seiner Zeit zu FRISCH AUF! und stets setzte sich Manuel Späth gegen sie durch. Ich kann sagen, dass mich seine Wahl etwas überrascht hat, aber er hat sich diese Anerkennung durch seinen Charakter, seinen Fleiß und seinen kämpferischen Einsatz für FRISCH AUF! verdient. Mit vier EHF-Cup-Siegen geht er ohnehin in die Geschichte des Vereins ein.

Frage: Wie geht es Dir und Deiner Familie gesundheitlich und was macht Ihr angesichts der Pandemie zur Zeit?

Velimir Petkovic: Uns geht es allen gut. Mit meiner Frau Nada unternehme ich hier in Berlin derzeit vieles, was eben die Pandemie so zulässt. Unseren Söhnen, die ja auch in Berlin leben, geht es ebenfalls gut.

Frage: Wir haben uns gefreut, dass im Anschluss an Deine erfolgreiche Vereinskarriere nun eine interessante Aufgabe im Bereich der Nationalmannschaften folgt. Kannst Du dem russischen Handball-Bär wieder zu alter Stärke zurückhelfen?

Velimir Petkovic: Ich habe inzwischen viele Informationen gesammelt und auch viele Videos gesichtet. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit ersten kurzfristigen und dann auch mittelfristigen Änderungen Erfolg haben können. Es gibt ein riesiges Potential, auch wenn der Anschluss an den Handball der westeuropäischen Mannschaften etwas abgerissen ist. Da möchten wir zunächst den Anschluss schaffen und uns dann wieder in den TOP Ten des europäischen Handballs platzieren.

Frage: Wann geht es in Russland konkret los und was sind die ersten Maßnahmen?

Velimir Petkovic:Ich selbst habe wie gesagt schon viele Analysen gemacht und parallel lerne ich die russische Sprache. Kontakt habe ich bisher vor allem über den Sportdirektor des russischen Verbands. Wir machen derzeit erste Terminpläne, denn aktuell deuten sich erste Lockerungen im Rahmen der Pandemie auch im russischen Sport an.