Zehn Dekaden Handball bei FRISCH AUF!: Die 80er Jahre

... oder man könnte auch sagen: Die Ära "Klempel".

Im letzten Historien-Artikel sind wir bis in das Jahr 1982 gekommen, in dem FRISCH AUF! weiterhin fester Bestandteil der Handball-Bundesliga war, allerdings vor allem dank des Neuzugangs Jerzy Klempel die Klasse gerade noch hielt. Für den heutigen Beitrag verlassen wir ausnahmsweise den zumeist zugrundegelegten Zehn-Jahres-Rhythmus und schauen nur bis in das Jahr 1989, denn dort ergab sich die nächste Zäsur.

Mit der Verpflichtung des Neuzugangs Jerzy Klempel, dem renommierten polnischen Nationalspieler, wollten die FRISCH AUF!-Verantwortlichen an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen. Zu diesem Zeitpunkt waren Transfers dieser Größenordnung eher selten, zumal die Ostblock-Mannschaften ihre Sportler nur ungern ziehen ließen. Jerzy Klempel hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits große Verdienste um den polnischen Handball: Olympia Bronze 1976, Torschützenkönig WM 1980, WM-Bronze bei der Handball-WM 1982 in Deutschland. Unmittelbar nach dieser WM, die im Februar und März ausgespielt wurde, erfolgte der Wechsel zu FRISCH AUF!, wobei sich die Freigabeverhandlungen mit dem polnischen Verband etwas hinzogen. Die Ablöse musste teilweise "natural" abgegolten werden und der damalige Sportartikel- und Sportbekleidungsausstatter von FRISCH AUF! war sehr behilflich. Bis zum Ersteinsatz in der Bundesliga wurde in Göppingen gezittert, aber dann kam doch die spieltechnische Freigabe, so dass der inzwischen 29-jährige Jerzy "Jurek" Klempel im Frühsommer 1982 entscheidend zum Klassenerhalt in der Saison 1981/82 beitragen konnte.

Die Saison 1982/83 unter Trainer Erwin Blum wurde erfolgreicher, wenngleich der Sturm in die Bundesligaspitze nicht ganz gelang. In der Mannschaft waren die bekanntesten Spieler Dieter Bartke, Bernhard Bauer, Martin Scheel, Willi Weiß, Rolf Schlögl, Rudi Molitor, Arnulf Dümmel, Richard Moser, Dieter Reusch, Louis Rack, Rolf Bauer und ein ganz junger Martin Schwalb. FRISCH AUF! wurde am Ende der Saison guter Ligafünfter mit 29:21 hinter Gummersbach, Kiel, Großwallstadt und Schwabing. Höhepunkte waren die beiden Ein-Tore-Siege gegen den VfL Gummersbach und den TV Großwallstadt sowie die beiden Derbysiege gegen den VfL Günzburg.

In der Saison 1983/84 knüpfte das Team, trotz einiger Abgänge, zunächst an die zuletzt gezeigten Leistungen an. Fünf Siege an den ersten fünf Spieltagen ließen aufhorchen, und auch wenn dieser Lauf nicht anhielt, galten die Grün-Weißen damals als sehr heimstark. Im wirtschaftlichen Bereich lief es aber weniger gut und die Chroniken berichten darüber, dass der Verein am Rande des Konkurses stand. Eine Kampfabstimmung bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Oettingersaal verhinderte den Rückzug vom Leistungshandball. Das gesamte Präsidium trat zurück. Horst Singer übernahm die Handballbundesliga-Abteilung und Anton Burkhardtsmaier die Vereinspräsidentschaft. Ihre Aufgabe war fortan eine eigenständige Führung der Handballbundesliga-Abteilung unter finanzieller Absicherung von Privatbürgen. Parallel dazu kämpfte FRISCH AUF! aber auch an anderer Front. Der Sportfotograf Weingärtner hatte im Streit mit dem Verein Insiderwissen über den Vertrag mit Jerzy Klempel veröffentlicht. Und auch wenn zum Beispiel Zdravko Radjenovic in Schwabing, Marek Panas in Kiel, Zdravko Miljak in Günzburg und Zvonimir Serdarusic zu ähnlichen Konditionen spielten, so war durch Veröffentlichung des Klempelvertrags in der BILD-Zeitung der Nachweis des Verstosses gegen den Amateurparagraf nachweislich. Klempel wurde im März gesperrt und FRISCH AUF! rutschte auf den 7. Platz ab. Wesentlich schlimmer war aber das DHB-Urteil auf Zwangsabstieg, dem sich FRISCH AUF! trotz juristischer Hilfe nicht erwehren konnte.

Der Zwangsabstieg, nach dem einige Stammspieler wie z.B. Martin Schwalb den Verein verließen, löste aber beim restlichen Kader eine Trotzreaktion aus. Um Klempel, Weiß, Molitor und Schlögl wurde unter Trainer Hans Moser eine neue Mannschaft aufgebaut. Der Zuschauerzuspruch hatte nicht abgenommen, eher im Gegenteil. Hinter dem VfL Günzburg wurde FRISCH AUF! in der Saison 1984/85 Zweiter in der 2. Liga Süd und die Entscheidungsspiele gegen den Nordzweiten aus Hameln entschied FRISCH AUF! in der Summe aus 20:13 und 21:26 für sich. Überliefert ist aus dieser Saison, dass Rudi Molitor mehr als einmal auswärts seine jüngeren Mitspieler mit dem Satz "hierher möchte ich nicht noch einmal fahren" antrieb, wenn es nicht wie erwartet lief. Kein Wunder, wenn man die Gegner aus kleineren Orten wie z.B. Griesheim, Gensungen, Birkenau, Rot, Oftersheim, Saarlouis-Lisdorf und Breckenheim aufzählt, die damals neben Schutterwald, Nürnberg, Leutershausen und Milbertshofen die 2. Liga Süd bildeten. Zu einem Ligakonkurrenten allerdings musste man übrigens gar keine Auswärtsreise antreten: Der TSV Heiningen war auf seinem Höhenflug in der 2. Liga angekommen, absolvierte sein Heimspiel gegen FRISCH AUF! aber in einer ausverkauften Hohenstaufenhalle und stieg am Saisonende als Tabellenletzter direkt wieder ab.

Inzwischen hatten Schuldenabbau und Vergleiche mit Gläubigern zu einem nach wie vor hohen, aber erträglichen Schuldenstand geführt. Große Sprünge waren aber auch nach dem Wiederaufstieg nicht möglich. Das Ziel war der Klassenerhalt in der Bundesliga-Saison 1985/86. Insbesondere Torwart Stefan Kellner erwies sich unter den jüngeren Spielern als Leistungsträger, weitere Torhüter waren jetzt Gustav Sapper und Gerd Handerer. Am Kreis kam mit Ralph Gall ebenfalls ein junger Spieler aus der Region hinzu, ebenso mit Joachim Waibel auf Rechtsaußen. Einem guten Start folgten viele Niederlagen. FRISCH AUF! war eigentlich die gesamte Saison über im Abstiegskampf. Tollen Heimsiegen gegen den VfL Gummersbach und den späteren Meister TuSEM Essen folgten aber auch wieder Enttäuschungen. Im Lauf der Rückrunde gelang ein wichtiger 28:26-Auswärtssieg beim direkten Konkurrenten in Günzburg, dem ein phantastischer 25:17-Heimsieg gegen den TV Großwallstadt folgte. Es blieb aber haarig und erst der 30:24-Auswärtssieg bei der SG Weiche-Handewitt brachte am vorletzten Spieltag die große Erleichterung. FRISCH AUF! wurde am Ende Achter in der 14er-Liga, allerdings nur zwei Punkte vor dem ersten von drei Absteigern VfL Günzburg. Jerzy Klempel wurde zum ersten Mal Torschützenkönig der Liga mit 233 Treffern in 26 Spielen. 

Die darauf folgende Saison 1986/87 lief ähnlich. Auf Linksaußen wirbelte Uli Derad, aus Günzburg war Shooter Klaus Hornung zu FRISCH AUF! gewechselt. Dieses Mal konnte sich FRISCH AUF! zum Saisonende gerade noch auf den 11. Platz retten und eine der wenigen positiven Erinnerungen war der erneute 18:17-Heimsieg gegen den alten Rivalen aus Gummersbach. Meister wurde erneut Essen. Nach dieser Saison beendete Nationalspieler Willi Weiß seine 10-jährige FRISCH AUF!-Karriere, in der er 198 Bundesligaeinsätze mit 482 Bundesligatreffern garnierte. Torschützenkönig der Liga wurde erneut Jerzy Klempel mit dieses Mal 239 Treffern, einem Liga-Rekord, der lange bestehen bleiben sollte. Erst der später in Gummersbach spielende Südkoreaner Kyung-Shin Yoon knackte den Rekord, allerdings in einer 16er- und später 20er Liga (1998/99 mit 245 Treffern; 2000/01 mit 324 Treffern. Der damals von Jerzy Klempel erzielte Toredurchschnitt von 9,19 Treffern pro Saisonspiel ist bis heute unerreicht!!!

Wesentlich besser lief es dafür in der Saison 1987/88, jetzt unter dem neuen Trainer Zdravko Miljak, der zudem seine ehemaligen Mitspieler Klaus Hornung und Rudi Jahn aus Günzburg im Kader hatte. Einem normalen Start folgten tolle und erfolgreiche Monate November und Dezember. Bei vielen langjährigen FRISCH AUF!-Fans ist ganz sicher ein Spiel vom 27.12.86 in Erinnerung, das den Höhepunkt dieser Saisonphase bildete. Der MTSV Schwabing war zum damals ungewöhnlichen Weihnachtsspiel zu Gast und der Zustrom der Handballfans an die Hohenstaufenhalle ebbte nicht ab. Der "Vereinskassier" fand offensichtlich immer neue Rollen von provisorischen Eintrittskarten. Am Ende gab es einen 18:17-Sieg gegen den Südrivalen vor einer Rekordkulisse, denn Teile der Stehplatzbesucher saßen auf allen Treppen und sogar auf den Holzaufbauten hinter den Umgängen. Im weiteren Verlauf der Saison wurde erneut der spätere Deutsche Meister VfL Gummersbach mit 18:16 geschlagen und FRISCH AUF! wurde am Ende guter Siebter. Der Torschützenkönig der Liga hieß zum dritten Mal in Folge Jerzy Klempel (198 Treffer). Leider konnte sich die Abteilungsleitung mit dem sehr angesehenen Trainer Miljak nicht über eine Vertragsverlängerung einigen.

So sehr sich das FRISCH AUF!-Publikum auch über ihre Stars Klempel, Schlögl und Molitor freute, das FRISCH AUF!-Spiel stagnierte trotz der inzwischen etablierten Außenspieler Uli Derad, Joachim Waibel und Claudio Strafe sichtbar. Die FRISCH AUF!-Verantwortlichenn hatten zuvor Umstrukturierungsüberlegungen hin zum finnischen Spielmacher Mikael Källmann verworfen und am verdienten Star Jerzy Klempel festgehalten. In der Saison 1988/89 rächten sich diese Entscheidungen. Unter Trainer Arnulf Dümmel gelang es nicht, die Klasse zu halten. Die Hoffnung blieb zwar bis zum letzten Spieltag bestehen, aber eine Auswärtsniederlage in Großwallstadt bei gleichzeitigem Heimsieg von Lemgo gegen Wallau-Massenheim besiegelten den abermaligen, dieses Mal sportlich bedingten Absturz in Liga Zwei. Eine Bilanz von 19:33 Punkten reichte nur zum 13. und vorletzten Platz.

Was Vielen beim Abstieg nicht klar war: Es sollte ein ganz lange Durststrecke in der Handball-Geschichte von FRISCH AUF! folgen. Über die Zeit in der zweiten Liga berichten wir am kommenden Dienstag.