FRISCH AUF!-Fangeschichten Ausgabe #4

Mit dem Wohnmobil über Flensburg nach Gudme, oder: Warum ein Ersatzrad immer aufgepumpt sein sollte!

Seit dem Final Four in Hamburg 2003 verbindet die Göppinger Fangruppen EVERGREENS und Bianco Verde eine tiefe Fanfreundschaft mit den Ultras Flensburg. Was liegt da näher als bei einem Europapokal-Auswärtsspiel von FRISCH AUF! im dänischen Gudme in Flensburg einen Zwischenstopp einzulegen, liegt ja immerhin auf dem Weg.

So machten sich am Abend des 24.02.2006 etwa 15 Göppinger Fans mit einem Kleinbus und einem Wohnmobil auf den Weg an die Flensburger Förde. Nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Autobahn kamen wir dann am frühen Morgen des 25.02. in der Stadt mit der schöneren Förde an.

Wie bereits bei früheren Besuchen in Flensburg, nahmen uns Trecki und seine Frau Wiebke wieder herzlich bei sich zu Hause auf, was umso verwunderlicher ist, wenn man unsere Aktion im Whirlpool bei unserem ersten Besuch bedenkt, aber das ist eine andere Geschichte. Nach einem großen Hallo stärkten wir uns erst einmal bei einem gemeinsamen Frühstück. Den noch jungen Tag nutzten einige, um die Flensburger Innenstadt zu erkunden, andere nutzten die Zeit für etwas Augenpflege, da diese bei der nächtlichen Fahrt etwas zu kurz gekommen war. Nach einer gemeinsamen Bootstour über die Förde und einem anschließenden Essen im Brauhaus am späten Nachmittag ging es wieder zu Trecki nach Hause. Dort machten wir uns fertig für einen gemeinsamen Abend in der Flensburger Mausefalle, einer hiesigen Disko. Dort angekommen wurde kurzerhand die Bar geentert und es wurde ein sehr geselliger und lustiger Abend. Zu späterer Stunde machten sich dann die ersten auf in Richtung Treckis Haus, wo kurzerhand im Esszimmer ein Matratzenlager aufgeschlagen wurde. Da es aufgrund der Anzahl von Teilnehmern dann doch etwas eng wurde, entschieden Highness und ich, im Wohnmobil vor der Haustür zu nächtigen.

Am nächsten Morgen wurde dann gemeinsam bei Trecki auf der überdachten Terrasse gefrühstückt, um sich für das bevorstehende Spiel in Gudme und die Fahrt dorthin zu stärken. Da wussten wir noch nicht, dass einige von uns diese Stärkung noch brauchen würden. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Treffpunkt an der Exe, wo dann auch die anderen Flensburger zu uns stießen. Mit nun zwei Kleinbussen und einem Wohnmobil nahmen wir Kurs Richtung dänische Staatsgrenze. So fuhren wir auf dänischer Seite im Konvoi die schier endlosen Autobahnen entlang, als es mit einem Mal knallte und ich gut zu tun hatte, das Wohnmobil auf der Straße zu halten.

Nachdem wir auf dem Standstreifen zum Halten gekommen waren, machte ich mir ein Bild von dem, was passiert war. Der rechte Hinterreifen war geplatzt und weder Reifen noch Felge waren noch zu gebrauchen. Das zwang uns also zu einer unfreiwilligen, längeren Pause. Die beiden vor uns fahrenden Kleinbusse wurden derweil telefonisch kontaktiert, dass wir uns auf dem nächsten Rasthof treffen, sobald wir wieder mobil sind. Zum Glück waren wir früh losgefahren, so dass der Faktor Zeit nun keine allzu große Rolle spielte. Nun galt es also, handwerklich tätig zu werden. Während Highness, Pino und ich das Wohnmobil mit dem Wagenheber aufbockten, machten es sich unsere mitfahrenden Damen mit der Luftmatratze auf dem Grünstreifen bequem, was dazu führte, dass von 100 vorbeifahrenden Autos bestimmt 70 hupten, da es eher nach Picknick auf der Autobahn als nach einer Panne aussah, obwohl das Warndreieck vorschriftsmäßig aufgebaut war. Nachdem wir den defekten Reifen demontiert hatten und das Ersatzrad montiert war, ging das Drama erst richtig los. Der Ersatzreifen war seit gefühlten zehn Jahren mangels Zugänglichkeit nicht mehr aufgepumpt worden. Nun standen wir zwar mit einem neuen Reifen da, hatten aber so gut wie keine Luft darin. Zum Glück war ein kleiner Kompressor an Bord, der über die 12-Volt-Steckdose betrieben werden konnte.

Nach einer weiteren halben Stunde hatte der Kompressor sein Werk getan und wir hatten doch schon beachtliche zwei Bar im Reifen, normal waren fünf Bar! Da es nicht den Anschein hatte, dass sich an diesem Druck in den kommenden Stunden noch etwas ändert, außer dass der Kompressor eventuell in Flammen aufgeht, entschieden wir, bis zum nächsten Rastplatz so weiterzufahren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass dieser etwa 50 km entfernt ist. So fuhren wir im Schneckentempo mit einem halb platten Reifen los und ich betete die Handballgötter an, dass der Reifen bis zum Rasthof durchhält. Zum einen wäre es echt enttäuschend gewesen, wenn wir wegen einem defekten Reifen das Spiel verpasst hätten, die größere Sorge meinerseits war allerdings: Woher bekomme ich an einem Sonntag in Dänemark einen neuen Reifen für ein Wohnmobil, sollte dieser nun auch noch den Geist aufgeben?

Zum Glück wurden meine Gebete erhört und nach einer gefühlten Ewigkeit bogen wir auf den Rastplatz ein, wo endlich der Reifen vollständig aufgepumpt werden konnte. Dort trafen wir auch auf die anderen Mitfahrer in den zwei Kleinbussen, denen wir unsere Geschichte natürlich erst einmal erzählen durften, bevor es weiter nach Gudme ging. So nahmen wir die verbleibenden Kilometer unter die Räder, um noch rechtzeitig am Spielort einzutreffen, der Gudmehallerne.

In Gudme angekommen wunderten wir uns erst, wie klein dieses Nest doch ist. Göppingen ist jetzt zwar auch keine Weltstadt, aber Gudme ist wirklich sehr klein. Als wir dann die Halle sahen, wurde erst mal herzhaft gelacht, da diese nicht als Sporthalle zu erkennen war, wenn man es nicht besser wusste. Das veranlasste einige Mitfahrer dazu, der Halle den liebevollen Beinamen „Viehauktionshalle“ zu verpassen, das traf die Sache schon viel besser. In der Halle wurden dann wie üblich unsere Plätze bezogen, die Banner aufgehängt und die Schwenkfahnen vorbereitet. Beim Einlauf der Mannschaft wurde diese frenetisch empfangen und bejubelt, auch unsere Flensburger Freunde gingen hierbei richtig steil, was uns sehr freute!

Das Spiel konnte unsere Mannschaft dann mit 29:24 für sich entscheiden, vermutlich nicht zuletzt dank Leschis Verkleidung als Maus. Diese machte einen „Mauswärtssieg“ natürlich erst möglich, was dazu führte, dass diese Verkleidung in den verbleibenden EHF-Pokal-Spielen fortan zum Einsatz kam. Nach dem Spiel wurde die Mannschaft gebührend gefeiert und so traf man sich im Vorraum der Halle noch auf das eine oder andere Gespräch und einen dänischen Hot Dog.

So ging ein sehr ereignisreicher Tag zu Ende und wir hatten noch rund 1.000 km vor uns, bis wir wieder zu Hause waren. Zum Glück verlief die Rückfahrt im Gegensatz zur Hinfahrt sehr unspektakulär und wir waren am frühen Montagmorgen wieder zu Hause. Nachdem alle Mitfahrer zu Hause abgeliefert waren und ich auch endlich zu Hause war, fiel ich erst mal ins Bett, aber ich würde es jederzeit wieder tun! Zusammenfassend kann man sagen: Schee war’s!

Steffen Eisele