Zehn Dekaden Handball bei FRISCH AUF!: Um das Jahr 1980

Das zurückliegenden Kapitel dieser FRISCH AUF!-Historienserie hatten wir mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1972 geschlossen. Auch die Saison 1972/73 lief erfolgreich, wenngleich der ganz große Wurf ausblieb. Über den ersten Platz in der Südstaffel musste bei Punktgleichheit ein Entscheidungsspiel gegen den TV Hüttenberg entscheiden, das FRISCH AUF! 17:15 gewann. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft verlor FRISCH AUF! zwar bei Grün-Weiß Dankersen mit 14:18, machte dies aber durch einen spektakulären 18:5-Heimsieg in der Hohenstaufenhalle wieder wett. Das Endspiel vor 12.000 Zuschauern in der Westfalenhalle Dortmund war dann aber die Sache des VfL Gummersbach, der in einem als brutal bezeichneten Spiel mit 21:18 gewann. Und im Europapokal der Landesmeister war im Halbfinale Endstation. FRISCH AUF! gewann zwar zu Hause gegen Hellas Stockholm 19:13 und war das insgesamt bessere Team, aber ostdeutsche Schiedsrichter gaben in Stockholm so oft Siebenmeter für die Schweden, bis der 21:13-Heimsieg für Stockholm im Kasten war. Erst nach der Wende sollte sich herausstellen, dass die DDR-Schiedsrichter unter dem Druck ihrer Staatsführung gar nicht anders konnten, als deren Anordnungen umzusetzen.

Vor der Saison 1973/74 musste FRISCH AUF! den Abgang der Leistungsträger Uwe Rathjen, Max Müller und Walter Pflüger verkraften. Dafür kam mit Geir Hallsteinsson ein erster Isländer zu den Grün-Weißen. Mit dem 2. Platz im Süden gelang trotzdem noch einmal der Einzug ins Halbfinale umd die DM. Dort unterlag FRISCH AUF! aber zweimal dem TuS Wellinghofen. Der sportliche Umbruch in der Mannschaft ging einher mit finanziellen Problemen. Erwin Singer war nun Trainer und auch er konnte nicht verhindern, dass FRISCH AUF! in der Saison 1974/75 in Abstiegsgefahr kam. Mit Platz 6 gelang aber die Rettung. 

In der Saison 1975/76 setzte sich die Talfahrt fort. Erneut waren wichtige Spieler wie Paul Epple, Peter Bucher und Werner Fischer abgewandert. Die Abstiegsgefahr war so groß, dass Horst Singer während der Runde das Traineramt von Hans-Joachim Klein übernahm und dann sogar auch noch einmal ins FRISCH AUF!-Trikot stieg, um aktiv auszuhelfen. Als Tabellenachter gab es Entscheidungsspiele um den Klassenerhalt gegen den VfL Bad Schwartau aus dem Norden. FRISCH AUF! gewann zu Hause mit 26:11 und konnte so eine 16:25-Auswärtsniederlage verschmerzen. Die Bundesliga war gehalten!

Die nachfolgende Saison 1976/77 brachte Neuerungen. Einerseits diente sie der Qaulifikation zur eingleisigen Bundesliga, die im Spätsommer 1977 eingeführt werden sollte, anderseits gelang in Göppingen unter Trainer Horst Singer ein sportlicher Neuaufbau, der auch durch den finanziellen Einsatz eines Fördervereins unter Leitung von OB Dr. König unterstützt wurde. FRISCH AUF! schaffte die geforderte Platzierung, und dies obwohl für den verfrühten Einsatz von Torwart-Neuzugang Peter Jaschke Punkte am grünen Tisch verloren gingen.

In die Saison 1977/78 gelang mit 12:6 Punkten ein glänzender Start in die neu gegründete eingleisige Bundesliga, aber danach fiel die Mannschaft in eine Krise. Fünf Spieltage vor Schluss gab Horst Singer das Traineramt an Erwin Blum ab, der die Mannschaft noch auf Platz 8 und damit zum sicheren Klassenerhalt führte. National war damals der TV Großwallstadt nicht zu toppen und wurde viermal in Folge Deutscher Meister. Der THW Kiel war aber zum Beispiel noch nicht so bedeutend und kam in den ersten Jahren stets hinter den Grün-Weißen aus Göppingen ins Ziel.

In der Saison 1978/79 hatte sich FRISCH AUF! unter Trainer Erwin Blum weiter gefestigt. Am Ende einer sehr guten Spielrunde konnte man mit 33:19 Punkten den vierten Platz belegen. Zu dieser Mannschaft gehörten z.B. Willi Weiß, Rolf Schlögl, Arnulf Dümmel, Walter Salzer, Peter Bucher, Hartmut Bressmer und Gunnar Einarsson. Die Fans strömten scharenweise in die Hohenstaufenhalle. Heutzutage würde auf ein solch gute Platzierung eine Qualifikation für den Europapokal folgen. Damals gab es aber nur den Europapokal der Landesmeister und den 1976 eingeführten Europapokal der Pokalsieger. Der IHF-Pokal (später EHF Pokal) kam gar erst 1981 ins Programm.

In der Saison 1979/80 folgte - inzwischen verstärkt mit dem beliebten Kreisläufer Rudolf Molitor -  mit Platz 8 und ausgeglichenem Punktekonto eine Mittelfeldplatzierung. Dafür kam FRISCH AUF! im DHB-Pokal bis ins Halbfinale und unterlag erst in einem denkwürdigen Heimspiel gegen den späteren Pokalsieger TV Großwallstadt mit 17:18. 1980 folgte der Trainerwechsel auf Wolf-Dieter Nagel, dem Vater des späteren FRISCH AUF!-Kapitäns Marc Nagel. Mit ihm und dem Zugang des 2,16 m großen Nationaltorwarts Dieter Bartke von TuSEM Essen kam neue Motivation auf, die am Ende der Saison 1980/81 zum erneuten Saisonabschluss auf Platz 4 führte. Parallel gab es aber sehr große finanzielle Sorgen, die vom sportlichen Erfolg nicht überdeckt werden konnten. Mehr und mehr wirkte sich die zunehmende Professionalisierung der Liga über Sponsoren und Mäzene aus, mit der FRISCH AUF! z.B. gegenüber den Standorten Großwallstadt, Gummersbach, Essen und Nettelstedt nicht mithalten konnte.

Die Saison 1981/82 wurde dementsprechend wieder zur Zittersaison. Durch Verletzungen geschwächt, verlief die Saison nicht nach Wunsch. Ein Trainerwechsel von Nagel auf Erwin Blum und ein 24:17-Sieg gegen TuSpo Nürnberg im letzten Saisonspiel sicherten den knappen Klassenerhalt (ein Punkt vor Nürnberg). Dazu hatte auch der aus Polen geholte polnische Nationalspieler Jerzy Klempel mit seiner Wurfkraft beigetragen. Ihn hatten die FRISCH AUF!-Verantwortlichen im Laufe der Saison in Polen losgeeist. Mit ihm ging es fortan in eine sportliche positive Entwicklung, die aber immer wieder von finanziellen Schwierigkeiten begleitet war.

Darüber berichten wir in der nächsten Ausgabe: Gute Platzierungen, Zwangsabstieg, sofortiger Wiederaufstieg und weitere gute Jahre in der Bundesliga. Mit diesen Schlagworten geht es am kommenden Dienstag durch die 80er Jahre.