FRISCH AUF!-gebrüht – Auf einen Kaffee mit … Tim Sørensen

Tim Sørensen wechselte zur Saison 2018/2019 vom schwedischen Champions League-Teilnehmer IFK Kristianstad zu FRISCH AUF! Göppingen. Aufgrund einer Achillessehnenverletzung musste sich der sympathische Däne mit seinem ersten Spiel für FRISCH AUF! in der DKB Handball-Bundesliga noch gedulden und absolvierte im Jahr 2018 häufig ein individuelles Trainingsprogramm. Mittlerweile steht dem Bundesliga-Einsatz des Linkshänders nichts mehr im Weg und er ist fester Teil der Rückrundenvorbereitung.

Wir haben uns mit Tim auf einen Kaffee getroffen und ihm mal ein bisschen auf den Zahn gefühlt.

 

 

Hallo Tim, schön dass Du da bist!

Hej! Ich freue mich auch!

Du bist jetzt schon seit Juli 2018 hier in Göppingen. Wie hast Du Dich bisher eingelebt?

Ich finde es sehr schön hier, vor allem im Sommer. Der letzte Sommer war ja sehr heiß, da hat mir dann allerdings ein bisschen das Wasser bzw. das Meer gefehlt [Anm. Tims Geburtsort Skive liegt direkt an der Ostseeküste], in dem man sich abkühlen kann. Ich mag es, dass Göppingen keine Großstadt ist, sodass man sehr gut mal einen Kaffee trinken oder Essen gehen kann.  Die EWS Arena finde ich auch sehr schön, vor allem dass immer so viele Zuschauer da sind.

Am Anfang war es für mich schon etwas schwer, weil ich sehr wenig Deutsch konnte. Wenn ich beispielsweise etwas in Englisch gefragt habe, haben mich manche schon etwas komisch angeschaut und meinten: „Du bist in Deutschland, da musst Du Deutsch reden.“ [lacht] Etwas Deutsch habe ich bisher schon gelernt, aber mittlerweile frage ich immer zuerst nach, bevor ich beginne auf Englisch zu reden. Ich probiere es immer auf Deutsch und wechsele dann erst ins Englische. [lacht]

Dein Wechsel vom IFK Kristianstad (Schweden) zu FRISCH AUF! stand bereits im Dezember 2017 fest. Was war für Dich ausschlaggebend in die DKB Handball-Bundesliga und zu FRISCH AUF! zu wechseln?

Es war schon immer mein Ziel einmal in der DKB Handball-Bundesliga zu spielen, schließlich ist sie die größte Liga der Welt und für mich persönlich auch die beste Liga der Welt. Es war mein Traum einmal in Deutschland zu spielen.

Ich bin von Dänemark nach Schweden gewechselt mit dem Ziel in der EHF Champions League zu spielen, sodass mich die deutschen Vereine wahrnehmen und mich spielen sehen. Damit sich eben irgendwann mal die Tür zu einem deutschen Verein öffnet. Das war immer mein langfristiges Ziel, die DKB Handball-Bundesliga.

Welche Rolle haben Deine Landsleute Allan Damgaard und Jacob Bagersted bei Deinem Wechsel gespielt? Waren Sie ein Grund warum Du hierher gewechselt bist?

Sie waren natürlich nicht der Hauptgrund, warum ich zu FRISCH AUF! gewechselt bin. Allgemein dänische oder skandinavische Spieler. Aber natürlich war es ein Pluspunkt. Es ist viel einfacher, wenn du dich mit jemandem in deiner Muttersprache unterhalten kannst. Einfach ein positiver Nebeneffekt.

Kanntest Du die beiden eventuell schon vorher?

Ich würde nicht sagen, dass ich sie gekannt habe. Wir sind uns schon ab und zu mal über den Weg gelaufen. Ich glaube mit Jacob habe ich sogar einmal in der Dänischen Nationalmannschaft gespielt. Aber es war jetzt nicht so, dass wir schon befreundet waren. Wenn man Handball spielt, dann weiß man natürlich wer der andere ist, aber persönlich habe ich sie nicht gekannt oder ihre Familien kennen gelernt.

Welche Rolle spielen die Beiden momentan für Dich hier in Göppingen?

Am Anfang haben sie natürlich eine sehr große Rolle gespielt. Sie haben viel für mich übersetzt, vor allem auch im Training. Mittlerweile verbringen unsere Familien viel Zeit miteinander, das ist natürlich auch einfacher für sie. Wenn ich jetzt immer noch ein paar Probleme habe, dann frage ich die Beiden. Auch bei den vielen Briefen, die ich beispielsweise von den Ämtern bekommen habe, haben sie mir geholfen. Aber nicht nur Jacob und Allan, auch alle anderen Spieler waren sehr sehr nett und haben mir geholfen. Es ist natürlich immer einfacher, wenn mir die Beiden direkt ins Dänische übersetzen, was in den Briefen steht, als wenn es mir die Deutschen ins Englische übersetzen und es da vielleicht schon mit der Übersetzung hapert. [lacht]

Sind sie für Dich somit Deine erste Anlaufstelle, wenn Du bei etwas Unterstützung brauchst?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Es kommt natürlich immer darauf an, um was es geht. Manchmal denke ich, ist es besser auf die Geschäftsstelle zu gehen und Regina oder Alex um Rat zu fragen. Aber es ist schon so, dass es für mich angenehmer und einfacher ist zu Jacob oder Allan zu gehen, da wir da keine sprachlichen Barrieren haben.

Gab es für Dich eine Art „Kulturschock“ als Du hier ankamst oder gab es etwas, woran Du Dich erst gewöhnen musstest?

Vermutlich der ganze Papierkram, den ich eben schon angesprochen habe. Ich habe so viele verschiedene Briefe bekommen, keine Ahnung wie viele, aber am Anfang waren es auf jeden Fall einige! Daran musste ich mich wirklich erst gewöhnen. Aber ich würde es trotz allem nicht als Schock bezeichnen. Es gibt natürlich von Land zu Land immer unterschiedliche Dinge, die gemacht werden müssen, dennoch war das sehr nervig, da ich ja nicht mal verstanden habe, worum es in den ganzen Briefen überhaupt geht. Da dachte ich schon manchmal: „Wow, 10 Briefe allein diese Woche – nur für was?“ [lacht]

Geografisch gesehen musste ich mich eigentlich an nichts erst gewöhnen. Wie ich bereits erwähnt hatte, war der Sommer hier sehr heiß, heißer als in Dänemark, wobei es vermutlich überall in Europa heißer war als sonst. Was dann für mich allerdings neu war, war der lange Sommer. In Dänemark ist es vielleicht nur Mitte bis Ende August so richtig heiß, aber hier ging der Sommer gefühlt bis in den November hinein.

Gibt es etwas, was Dir hier von Dänemark am meisten fehlt?

Meine Familie vermisse ich am meisten, meine Geschwister (1 älterer Bruder, 1 jüngere Schwester) und meine Freunde. Aber das war zu meiner Zeit in Schweden beim IFK Kristianstad auch schon so. Allerdings habe ich von Kristianstad in meine Heimatstadt knapp 4-5 Stunden gebraucht. Jetzt sind es fast 10 Stunden, da kann ich nicht mehr kurz übers Wochenende nach Hause fahren. Aber dafür kommen mich meine Familie und meine Freunde dann eher besuchen. Es kommt natürlich immer darauf an, wie viel Zeit ich habe und wie sie Zeit haben.

Hast Du ein Handballspiel / einen Moment in Deiner bisherigen Karriere, an den Du Dich gerne zurückerinnerst?

Ich glaube das ist die U19 Handball-Weltmeisterschaft in Argentinien, als wir dort Weltmeister geworden sind. Das war ein unglaublich großer Moment für uns alle, den werde ich sicherlich nicht vergessen! Wir waren im August in Argentinien und es hat die ganze Zeit nur geregnet. [lacht] Das hätten wir so nicht erwartet.

Hattet ihr die Möglichkeit euch ein bisschen was vor Ort anzuschauen?

Nein, nicht wirklich. Wir waren knapp 3 Wochen in Argentinien und haben quasi nur unser Hotel und die Sporthallen gesehen. Für uns war es zu gefährlich die Stadt und die Umgebung zu erkunden. Das waren dann schon drei lange Wochen für uns.

Bisher konntest Du noch kein Bundesligaspiel für FRISCH AUF! bestreiten. Wie erging es Dir in dieser Zeit?

Das war zum Teil schon wie eine kleine Achterbahnfahrt mit vielen Höhen und Tiefen. Am Anfang wusste ich, wussten wir alle nicht, wie schlimm die Situation tatsächlich ist. Keiner hätte gedacht, dass ich so lange nicht spielen kann.

Als ich dann zwischendurch wieder angefangen habe normal zu trainieren und zu laufen und der Schmerz zurückkam, war das sehr schwer für mich. Das hat mich zu dem Zeitpunkt dann schon sehr heruntergezogen.

Es ist natürlich nie schön, wenn du keinen Handball spielen kannst und das dein Beruf ist, den du liebst und ausüben willst, aber nicht kannst… Es ist schwierig meine damalige Gefühlslage zu beschreiben. Das war eine schwierige Zeit für mich. Aber als ich dann die Möglichkeit gesehen habe, im Januar wieder komplett da zu sein und spielen zu können, war das mein langfristiges Ziel! Darauf habe ich dann hingearbeitet und mich komplett darauf fokussiert bis dahin wieder fit zu sein.

Mit welchen Erwartungen gehst Du jetzt in die Rückrunde? Was hast Du Dir vielleicht auch persönlich vorgenommen?

Es ist schwer sich Erwartungen oder Ziele zu setzten, wenn du die halbe Saison nicht gespielt hast. Deshalb habe ich mir auch keine wirklichen Ziele für die Rückrunde gesetzt. Ich will einfach nur noch spielen, das ist das Wichtigste für mich momentan! Ich möchte einfach nur zurück aufs Spielfeld, Handball spielen und mit den Jungs Spaß haben! Natürlich wäre es schön die meisten Spielanteile auf meiner Position zu erhalten, aber das liegt ja nicht nur an mir. Ich hoffe, dass ich so viel wie möglich spielen kann.

Worauf freust Du Dich am meisten, wenn Du Dein erstes Spiel in der Hölle Süd bestreitest?

Es gibt eigentlich keine bestimmte Sache auf die ich hin fiebere. Ich freue mich einfach nur ungemein auf den Moment, in dem ich das Spielfeld zum ersten Mal betrete und spielen kann. Darauf freue ich mich am meisten.

Hast Du in Deiner Heimat in Dänemark / in Skive einen Ort, an dem Du zur Ruhe und auf andere Gedanken kommen kannst?

Das ist eine schwierige Frage. Aber ich glaube nicht, dass es wirklich einen speziellen Ort gibt, an dem ich zur Ruhe komme. Meine erste Anlaufstelle, wenn ich zurück in Dänemark bin, ist dann das Haus meiner Eltern, würde ich sagen. Es ist einfach schön wieder zuhause und von meiner Familie umgeben zu sein. Darauf freue ich mich dann immer sehr.

Hast Du so einen Platz hier in Göppingen gefunden?

Nein, nicht wirklich. Wenn dann wäre es das Sofa in meiner Wohnung. [lacht]

Stell Dir vor, Du hast morgen einen spiel- und trainingsfreien Tag. Wie würdest Du ihn verbringen? Nimm uns mit und beschreibe Deinen freien Tag.

Das ist eine gute Frage. [grinst] Vermutlich würde mich meine Freundin morgens um 8 Uhr wecken, vielleicht auch um 9. Wir würden schön frühstücken und dann ein bisschen was unternehmen. Vielleicht ein Spaziergang im Wald, auf den Hohenstaufen laufen, nach Stuttgart fahren oder schwimmen gehen. Einfach ein paar Stunden etwas unternehmen, es muss ja nicht mal den ganzen Tag füllen. Dann würden wir vermutlich so gegen 15-16 Uhr wieder zurückkommen und ein paar Folgen einer Fernsehserie schauen.

Ohne was kann ein Tim Sørensen nicht leben? Was hat er immer mit dabei?

Vermutlich mein Smartphone, aber das ist wohl die langweiligste Antwort, oder? [lacht]

Hast Du ein Vorbild / Idol, zu dem Du aufschaust oder früher aufgeschaut hast?

Ich hatte nie wirklich ein Vorbild, zu dem ich aufgeschaut habe. Ich habe immer versucht mir Tricks von vielen verschiedenen Handballspielern abzuschauen. Wenn ein Spieler etwas gemacht hat, das ich cool fand, dann wollte ich das auch mal ausprobieren.

Mal angenommen, Du könntest mit einer Person (Spieler, Trainer, Person X) einen Tag die Rollen tauschen. Wer wäre es und warum?

Vermutlich LeBron James, würde ich sagen. Er ist einfach eine Größe im Basketball, so gut in seinem Sport und zudem noch klug. Es ist beeindruckend, wie er sich immer noch mit Leib und Seele dem Basketball verschrieben hat und sich selbst treu geblieben ist. Was er macht und warum er sich bestimmten Themen und Dingen widmet. Er ist einfach so gut und einer der Besten in seinem Sport.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast! Wir wünschen Dir alles Gute für die kommende Rückrunde und vor allem: bleib verletzungsfrei!

Natürlich, kein Problem! Vielen Dank, das wünsche ich Dir auch!