Wenn über die großen Kapitel der Geschichte von FRISCH AUF! Göppingen gesprochen wird, fällt früher oder später auch der Begriff der „Kempa-Buben“. Die Mannschaft um Trainer und Spielmacher Bernhard Kempa prägte in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren eine der erfolgreichsten Phasen des deutschen Handballs und machte den Namen FRISCH AUF! weit über die Region hinaus bekannt.
Zu dieser Generation gehörte auch Werner Speidel. Der ehemalige FRISCH AUF!-Spieler erlebte eine Zeit, in der Handball noch unter ganz anderen Voraussetzungen gespielt wurde – mit anderen Spielsystemen, anderen Rahmenbedingungen und einer ganz eigenen Atmosphäre rund um die Spiele.
In unserer Rubrik „Was macht eigentlich …?“ blicken wir mit Werner Speidel anlässlich seines 91. Geburtstags auf diese besondere Epoche zurück, sprechen über seine Erinnerungen an die Jahre bei FRISCH AUF! und werfen gemeinsam einen Blick darauf, wie sich der Handballsport seitdem entwickelt hat.
Herr Speidel, Sie feiern in diesen Tagen Ihren 91. Geburtstag. Wie geht es Ihnen heute – und welche Rolle spielt der Handball noch in Ihrem Alltag?
Mir geht es gut, ich bin zufrieden. Mal zwickt es hier, mal dort ein bisschen, aber das darf es mit 91 auch. Handball, insbesondere FRISCH AUF!, verfolge ich natürlich nach wie vor, und auch die Nationalmannschaft. Ab und zu besuche ich auch noch Spiele in der EWS Arena – oder wie wir früher gesagt haben: in der Hohenstaufenhalle.
Die Kempa-Zeit
Sie gehörten zur Mannschaft der sogenannten „Kempa-Buben“, die FRISCH AUF! in einer besonderen Phase der Clubgeschichte geprägt hat. Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass diese Mannschaft etwas Besonderes sein könnte? Gab es ein Spiel oder einen Moment, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Dass wir etwas Besonderes sein könnten, habe ich bis heute nicht gespürt. Wir waren eine tolle Truppe, und es gab viele besondere Momente, die mir im Gedächtnis geblieben sind.
Wie haben Sie Bernhard Kempa als Spieler und Trainer erlebt? Was hat ihn aus Ihrer Sicht ausgezeichnet?
Bernhard Kempa war eine Persönlichkeit, zu der ich hochgeschaut habe. Ich habe einige Zeit gebraucht, ihn mit „Du“ anzusprechen.
Der berühmte Kempa-Trick ist heute weltweit bekannt. Können Sie sich erinnern, wann Sie diesen Spielzug zum ersten Mal gesehen oder selbst gespielt haben?
Ich war dabei, als wir zum ersten Mal darüber gesprochen haben und die ersten Versuche probierten. Es war in der damaligen „Flakhalle“, der heutigen Sporthalle der Bereitschaftspolizei. Selbst gespielt habe ich ihn nie – wahrscheinlich hat man es mir nicht zugetraut. Schade.
Rückblick auf die Zeit bei FRISCH AUF!
Wie erinnern Sie sich an Ihre Zeit bei FRISCH AUF! Göppingen? Gibt es besondere Momente, Spiele oder Anekdoten, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben sind?
Das waren noch andere Zeiten. Meine ganze Handballzeit habe ich bei FRISCH AUF! erlebt, ein Vereinswechsel kam selten vor. Wir waren alle Göppinger „Bürschle“, die sich von der Schule, aus der Turnhalle oder aus der Nachbarschaft kannten.
Besondere Momente gab es viele. Natürlich sind die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft oder den Europapokal ganz besondere Erinnerungen.
Was hat FRISCH AUF! in Ihrer aktiven Zeit als Club und Mannschaft besonders gemacht?
Es herrschte eine große Kameradschaft unter uns und auch später unter den Familien, und wir unternahmen viele gemeinsame Aktivitäten. Bis heute treffen sich diejenigen, die noch können, regelmäßig im Frisch-Auf-Clubhaus
Welche Mitspieler oder Persönlichkeiten aus dieser Zeit sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben – und warum?
Es sind mehrere, zwei möchte ich herausheben: Dr. Heinrich Zeller und „Schasch“ Vollmer. Heinrich Zeller formte uns aus der Jugend heraus, und Edwin Vollmer war nachher unser natürlicher Spielführer, Trainer und Freund über viele Jahrzehnte.
Handball damals und heute
Wie sah ein typischer Handballalltag damals aus – Training, Spiele, Reisen? Was würde einen heutigen Bundesligaspieler vermutlich überraschen?
Wie wenig wir trainiert haben und dass man ohne Harz Handball spielte.
Wenn Sie an einen typischen Spieltag damals denken: Wie lief so ein Tag ab – von der Vorbereitung bis zum Anpfiff des Spiels?
Das lässt sich nicht vergleichen. Über viele Jahre haben wir uns von der Kreismeisterschaft über Württemberg Süd nach oben gekämpft, um überhaupt um die Deutsche Meisterschaft spielen zu können. In Göppingen gab es keine adäquate Halle, sodass wir immer reisen mussten.
Welche Entwicklungen im modernen Handball finden Sie besonders spannend oder überraschend?
Die schnelle Mitte und das 7:6-Spiel sind interessante neue Spielarten. Was mir weniger gefällt, ist die Pirouette des Werfers in die Deckung hinein. Ich halte das in den meisten Fällen für ein Angreiferfoul.
Der Weg nach der aktiven Karriere
Nach Ihrer Zeit bei FRISCH AUF! – welchen Weg hat Ihr Leben dann genommen? Wie ging es beruflich und privat für Sie weiter?
Schon 1960 habe ich geheiratet, ab 1961 machte ich die Meisterprüfung in Abendschulen, danach war ich Ausbildungsmeister bei der Firma Schuler. Ich habe zwei Söhne und zwei Enkelkinder, die sich ebenfalls sehr für Sport interessieren.
Waren Sie nach Ihrer aktiven Karriere weiterhin im Handball aktiv?
1963 war Schluss mit aktivem Handball. Gleich im Anschluss leitete ich gemeinsam mit einigen Freunden fast 20 Jahre lang bis 1982 das Frisch-Auf-Kinderturnen in der Freihofturnhalle. In dieser Zeit war ich einige Jahre lang Mitglied des Vereinsrats.
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Gibt es etwas aus Ihrer Zeit als Spieler, das Sie jungen Handballern heute gerne mitgeben würden?
Das wäre vermessen. Heute ist alles anders und nicht vergleichbar.
FRISCH AUF! heute
Verfolgen Sie die Spiele von FRISCH AUF! heute noch? Wenn ja: Wie nehmen Sie den Club und die Entwicklung des Handballs in Göppingen heute wahr?
Natürlich verfolge ich den FRISCH AUF! Handball intensiv, in den Medien, oder auch manchmal in der Halle. Meine Kinder haben Dauerkarten, und wenn sie verhindert sind, dann bin ich der Nachrücker.
Wann waren Sie zuletzt bei einem Spiel in der EWS Arena? Wie hat sich das Umfeld im Vergleich zu Ihrer aktiven Zeit verändert?
Zuletzt gegen den ThSV Eisenach. Ein Bundesligaspiel ist heute ein richtiges Event mit Rahmenprogramm, und das Spiel selbst ist viel athletischer.
Abschluss
Wenn Sie auf Ihre Zeit in Göppingen zurückblicken: Welche Bedeutung hat FRISCH AUF! heute noch für Sie?
FRISCH AUF! bleibt mir immer wichtig. Der Club hat mir viel gegeben, und ich habe versucht, etwas zurückzugeben. Erst vor Kurzem wurde ich für 75 Jahre Mitgliedschaft geehrt.
Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke in eine besondere Zeit von FRISCH AUF!. Für Ihren 91. Geburtstag wünschen wir Ihnen alles Gute, vor allem Gesundheit, und einen schönen Tag im Kreise Ihrer Familie.
Infobox
Name: | Werner Speidel |
Zeit bei FRISCH AUF!: | 1953–1963 |
Position: | Rückraum und Außen |
Weitere Rollen/Tätigkeiten im Club: | Kindertraining, Mitglied des Vereinsrats |
Sportliche Erfolge & Titel: | 6x Deutscher Meister im Hallenhandball |
Bildquelle: Handball Bundesliga
