Zehn Dekaden Handball bei FRISCH AUF!: Rückkehr zu Erfolgen

In der zurückliegenden Ausgabe der FRISCH AUF!-Historie waren wir bis in das Jahr 2004 gekommen. Das dritte Spieljahr nach dem Wiederaufstieg war eine sehr schwierige Saison - und eine turbulente dazu. Zwei Trainerwechsel waren nötig, bis das Glück des Tüchtigen FRISCH AUF! vor dem Abstieg bewahrte. Schon früh in der Saison 2003/2004 war die Entscheidung gefällt worden, dass die neue Saison mit einem neuen Trainer angegangen werden sollte. Dieses Mal kam Velimir Petkovic zum Zug, der aber nach der Vertragsunterschrift noch monatelang mitzittern musste, ob er von seinem damaligen Verein HSG D/M Wetzlar würde in die zweite Liga wechseln müssen. Es kam anders und Petkovic übernahm die Grün-Weißen in Liga 1. Mit ihm kamen wichtige Neuzugänge zu FRISCH AUF!: Aus Schweden wechselte der tschechische Nationalkeeper Martin Galia nach Göppingen und er sollte sich in den Folgejahren zu einem der besten Keeper der Bundesliga entwickeln. Im Rückraum kam mit Volker Michel ein wurfgewaltiger Linkshänder. Aus Island wurde der abwehr- und kampfstarke Kreisläufer Andrius Stelmokas verpflichtet, seines Zeichens der erste litauische Spieler im grün-weißen Dress. Auf Rückraum Mitte setzte Velimir Petkovic voll auf den gebürtigen Göppinger Michael "Mimi" Kraus. Weitere Leistungsträger waren die erfahrenen Spieler Bruno Souza, Jaliesky Garcia, Lars-Henrik Walther, Aleksandar Knezevic und der junge Linksaußen Dragos Oprea.

FRISCH AUF! etablierte sich dank der Heimstärke von Anfang an im Mittelfeld und der erste Höhepunkt war ein 31:30-Heimsieg am sechsten Spieltag gegen den THW Kiel. Zunehmend konnten die Grün-Weißen auch auswärts punkten und besonders spektakulär war der 23:33-Sieg bei der SG Wallau-Massenheim am 2. Weihnachtsfeiertag 2004, denn zur Halbzeit stand es bereits 5:17. Den bisher einzigen FRISCH AUF!-Punkt in Kiel gab es am 2. März 2005 zu bejubeln, als ein stark ersatzgeschwächtes FRISCH AUF!-Team zu einem 33:33-Unentschieden in der Ostseehalle kam. FRISCH AUF! blieb fortan stets im positiven Punktekonto und belegte am Ende der Saison sportlich gesehen den veritablen 9. Platz. Dem HSV Hamburg wurden allerdings wegen eines Verstoßes gegen die Lizenzierungsbedingungen acht Punkte abgezogen und schließlich stand FRISCH AUF! deshalb auf Platz 8 der Abschlusstabelle. Meister wurde der THW Kiel mit 62:6 Punkten, obwohl drei dieser sechs Minuspunkte auf dem Göppinger Konto gelandet waren. Und noch einmal bekam der THW die neue Stärke von FRISCH AUF! zu spüren: Im Halbfinale des DHB-Pokals stand der THW kurz vor dem Aus, aber am Ende schied FRISCH AUF! bei seiner zweiten Final-Four-Teilnahme nach dem 30:31 mehr als unglücklich aus. Ein möglicher Europapokalstartplatz wurde vermeintlich im Spiel um den dritten Platz beim 33:35 n.V. gegen die HSG Nordhorn vergeben.

"Vermeintlich" deshalb, weil FRISCH AUF! über den Sommer von der Lizenzverweigerung gegenüber dem Siebten TuSEM Essen profitierte und nachrücken durfte. Die deutschen Vertreter hatten über Gewinne des EHF-Pokals und des Europapokals der Pokalsieger weitere Startrechte erspielt und für FRISCH AUF! brachte dies erstmals nach über 30 Jahren internationale Pflichtspiele unter den Hohenstaufen. Zur Saison 2005/2006 kamen mit Christian Schöne, Michael Schweikardt, Nikola Manjolovic und Vukasin Rajkovic (ab November) weitere junge und entwicklungsfähige Handballer zu FRISCH AUF!. In der Bundesliga lief es erst ab November besser, aber bis zum 25. Spieltag blieb es beim ausgeglichenen Punkteverhältnis. Erst mit einem Endspurt an den letzten Spieltagen gelang mit 37:31 und erneut Platz 8 ein gutes Saisonergebnis. Dafür hielt sich das Team von Trainer Velimir Petkovic im Europapokal weitgehend schadlos. Souverän war es in den beiden ersten Runden gegen die Aon Fivers Wien und Besiktas Istanbul. Zwei weitere Siege gelangen gegen das stark besetzte GOG Gudme aus Dänemark, wobei der 29:24-Sieg in Dänemark toll herausgespielt war. Im Halbfinale warteten zwei Hitchcockspiele gegen US Creteil und FRISCH AUF! kam wegen der mehr erzielten Auswärtstreffer ins Finale, in dem der deutsche Kontrahent TBV Lemgo wartete. FRISCH AUF! bot Jicha, Schwarzer, Zerbe, Stephan, Baur und Co. die Stirn. Überkorrekte spanische Schiedsrichter in Göppingen pfiffen beim Endergebnis von 29:30 ab. Beim Rückspiel in Lemgo lag FRISCH AUF! auf Siegkurs, als die norwegischen Referees Nikola Manojlovic zu Unrecht vom Platz stellten. Am Ende siegte der TBV und FRISCH AUF! musste vom Lob leben. Bruno Souza wechselte gegen Ablöse zum HSV Hamburg.

In der Saison 2006/2007 erwischte FRISCH AUF! das Verletzungspech, denn ausgerechnet der formidable Torwart Martin Galia fiel lange aus. Bis zum 5. Spieltag war FRISCH AUF! verlustpunktfrei in der Tabellenspitze. Lange Zeit hielt man sich - inzwischen mit den Youngstern Tim Kneule und Manuel Späth an Bord - mit einem positiven Punktekonto im vorderen Mittelfeld, aber gegen Ende der Saison verließ FRISCH AUF! der Schwung. Mit 30:38 Punkte wurde man nur Zehnter. Für besondere Aufmerksamkeit hatte FRISCH AUF!-Spielmacher Michael Kraus im Lauf der Saison gesorgt, denn er wurde im Januar 2007 mit der deutschen Nationalmannschaft spektakulär Weltmeister. Er verließ den Verein am Saisonende zum TBV Lemgo. Die Göppinger Spielbetriebs GmbH hatte übrigens in der Zwischenzeit sämtliche Schulden, die aus der Spielgemeinschaftszeit resultierten, längst abgetragen.

Die Saison 2007/2008 ging man mit den wichtigen Neuverpflichtungen Dalibor Anusic und Pavel Horak an. Bis zur Winterpause lief es gut, aber im neuen Jahr geriet FRISCH AUF! nach bis dato 22:18 Punkten in eine Niederlagenserie, die bis Mitte März zum Punktestand von 22:30 führte. Erneut war insbesondere Torwart Martin Galia langfristig ausgefallen. FRISCH AUF! stand zwar immer noch auf Platz 10, aber die Kritik an Trainer Velimir Petkovic nahm zu. FRISCH AUF! hielt gegen massive Angriffe zu seinem Coach und am Ende stand ein 9. Platz mit 31:37 Punkten zu Buche. Überaus Positives war von außerhalb des Spielfeldes zu vermelden. Die Stadt Göppingen hatte dem jahrelangen Werben seitens FRISCH AUF! für eine Erweiterung und Modernisierung der Hohenstaufenhalle stattgegeben. Die Planungen waren inzwischen so weit fortgeschritten, dass bereits mit dem Bau begonnen wurde und die folgende Saison komplett in der Stuttgarter Porsche Arena auszutragen war. FRISCH AUF! beteiligte sich mit Unterstützung seiner Partner mit 3 Mio. Euro an den Kosten der Baumaßnahmen.

FRISCH AUF! verpflichtete mit Enid Tahirovic einen erfahrenen, aber eher unbekannten Torwart, der den Abgang von Martin Galia (gegen Ablöse zum TBV Lemgo) auffangen sollte. Die jungen schwäbischen Spieler Tim Kneule und Manuel Späth waren inzwischen auf dem Weg zu Leistungsträgern. Das Göppinger Publikum unterstützte die Grün-Weißen auch in Stuttgart, und so entstand dadurch gar kein Nachteil. FRISCH AUF! startete fulminant in die Saison 2008/2009, war nach vier Spieltagen Spitzenreiter und musste die erste Niederlage erst am sechsten Spieltag in Magdeburg hinnehmen. Im Februar setzten die Grün-Weißen erneut zu einer Siegesserie an und blieben fortan immer im Kontakt zu den Europapokalplätzen. Nach 25 Spieltagen und einem spektakulären 32:26-Heimsieg gegen den SC Magdeburg war FRISCH AUF! kurzzeitig auf Platz 4. Ein Heimsieg gegen Minden am letzten Spieltag brachte schließlich den sechsten Platz mit 42:26 Punkten ein, dem bis dato besten Abschneiden in der Bundesliga seit dem Jahr 1983. Verdienter Lohn war die erneute Qualifikation für den EHF-Cup.

Zur Saison 2009/2010 verstärkte sich FRISCH AUF! mit Lars Kaufmann, Michael Haaß und Drasko Mrvaljevic, die die Abgänge von Jaliesky Garcia, Nikola Manojlovic und Dalibor Anusic ersetzten. FRISCH AUF! startete erneut stark, auch dank eines 31:32-Auswärtssiegs bei den Füchsen Berlin am 4. Spieltag. Mit 12:2 Punkte stand man nach dem 7. Spieltag auf Platz 3, aber Tabellenführer THW Kiel zog den Mannen von Velimir Petkovic beim 40:22 die Ohren lang. FRISCH AUF! steckte das sofort weg, denn am 4. November gelang den Grün-Weißen ein turbulenter 36:35-Heimsieg gegen den HSV Hamburg, inzwischen in der neueröffneten Heimspielstätte, die nun EWS Arena hieß. Die Vorrunde schloß Göppingen mit 25:9 Punkten auf Platz 5 ab und in den Monaten Februar und März tummelte sich FRISCH AUF! wochenlang auf den Plätzen 4 und 3. Im März kam FRISCH AUF! in eine Formkrise. Gegen Kiel und Hamburg setzte es hohe Niederlagen, und ausgerechnet in diesen Wochen kam es zum Viertelfinale im EHF Cup gegen Schaffhausen, nachdem zuvor Porto und Aalborg ausgeschaltet wurden. Gegen die gut besetzten Kadetten, die anschließend über Flensburg ins Finale stürmten, kam aber das knappe und enttäuschenden Aus. In der Bundesliga rappelte sich das Team aber wieder auf und wurde am Ende erneut 6., dieses Mal mit 46:22 Punkten. Damit blieb man im europäischen Wettbewerb.

Eine weitere, nicht für möglich gehaltene Steigerung folgte in der Saison 2010/2011. FRISCH AUF! brachte die Möglichkeiten, die die ausgebaute Arena darboten, voll zur Geltung. Dank einer weiteren Etatsteigerung - inzwischen hatte im Management Peter Kühnle das Marketing von Andreas Schweickert, der in die neue Betreibergesellschaft der Arena wechselte, übernommen - konnte die starke Mannschaft zusammen gehalten werden. Lars Kaufmann und Michael Haaß waren auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit und der zurückgekehrte Dalibor Anusic sowie Enid Tahirovic waren hinten eine Bank. FRISCH AUF! wiederholte die tolle Bundesliga-Vorsaison und wurde am Ende Fünfter mit 45:23 Punkten. Zudem gelang - dank eines 31:25-Sieges im Viertelfinale gegen den SC Magdeburg - die erneute Qualifikation für das Final Four im DHB-Pokal, das aber mit einer 23:28-Halbfinalniederlage gegen den späteren Pokalsieger THW Kiel endete. Dafür wurde die Europapokalsaison erfolgreich abgeschlossen.

Im dortigen Finale wurde - nach einer erfolgreichen Europatournee durch Schweden (Alingsas), Mazedonien (Metalurg Skopje), Slowenien (Velenje) und Spanien (Naturhouse La Rioja) - Liga-Konkurrent TV Großwallstadt gleich zweimal bezwungen. Nach einem denkbar knappen 23:21-Heimsieg im Final-Hinspiel gelingt der entscheidende 30:26-Sieg in Elsenfeld am 21.05.2011. Damit krönte FRISCH AUF! die erfolgreichste Saison seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2001. FRISCH AUF! und Göppingen feierten den großen Erfolg am Tag darauf mit einem Autokorso und einem Empfang bei Oberbürgermeister Guido Till im Rathaus der Stadt. Die Mannschaft von Erfolgstrainer Velimir Petkovic bestand aus den Spielern: Enid Tahirovic, Adam Weiner, Jure Vran (Okt.-Dez. 10), Tim Kneule, Dragos Oprea, Michael Thiede, Christian Schöne, Manuel Späth, Lars Kaufmann, Drasko Mrvaljevic, Miladin Kozlina (Feb.-Jun. 11), Dalibor Anusic, Michael Haaß, Kai Häfner, Fabian Gutbrod, Maximilian Schubert, Pavel Horak.

In der Saison 2011/2012 ließ der Spannungsbogen angesichts dieses großen Erfolges leider etwas nach. Dies wirkte sich insbesondere in der Bundesliga aus. Vor allem der Abgang von Lars Kaufmann nach Flensburg tat weh, auch wenn er durch den Neuzugang von Momir Rnic gut aufgefangen wurde. In der Bundesliga reichte es am Ende nur zu Platz 8. Mehr als kompensiert wurde dies aber durch eine tolle Europapokalsaison. Nach zwei klaren Erfolgen gegen Tatabanya (Ungarn) und Odorheiu (Rumänien) konnte FRISCH AUF! gegen den weissrussischen Meister Dinamo Minsk, gegen den Cup-Favoriten Rhein-Neckar Löwen und gegen den französischen Spitzenklub Dunkerque HB jeweils den Heimvorteil im Rückspiel nutzen.

Dreimal stand die EWS Arena dabei Kopf. Im Finale holte FRISCH AUF! in Nordfrankreich zunächst ein 26:26-Unentschieden und machte den Triumph dann mit einem 34:28-Heimsieg am 24.05.2012 klar. Momir Rnic und Pavel Horak waren die wichtigsten Goalgetter. Der Jubel kennt keine Grenzen, als Kapitän Enid Tahirovic den EHF Cup - übrigens bei seiner letzten Austragung vor der Verschmelzung mit dem Pokalsiegerwettbewerb - in die Höhe stemmte. Die Titelverteidigung ist angesichts der Gegner noch höher einzuschätzen wie der Vorjahreserfolg, und die Emotionen in der eigenen Arena kannten keine Grenzen. Die Europapokalsieger des Jahres 2012 hießen Enid Tahirovic, Bastian Rutschmann, Tim Kneule, Dragos Oprea, Michael Thiede, Christian Schöne, Manuel Späth, Drasko Mrvaljevic, Felix Lobedank, Mitar Markez, Dalibor Anusic, Michael Haaß, Momir Rnic, Maximilian Schubert, Bozidar Markicevic (Feb.-Juni 12) und Pavel Horak.

Nach dieser Saison kam es zu einer Zäsur im Spielerkader. Enid Tahirovic, Dalibor Anusic und der wurfgewaltige Linkshänder Michael Thiede verließen den Verein. Ihre Nachfolger konnte nicht sofort anknüpfen, zumal sich FRISCH AUF! nach einer Wechselposse um den eigentlich verpflichteten Torwart Darko Stanic schwer tat mit einer Ersatzverpflichtung. Trainer Velimir Petkovic gelang es nicht, die Mannschaft zu einer Einheit zusammenzuschweißen. In der Bundesliga schwamm FRISCH AUF! zumeist mit leicht negativem Punktekonto im Mittelfeld mit und wurde am Ende mit 30:36 Punkten Elfter. Bezeichnenderweise fiel das letzte Saisonspiel in Magdeburg wegen des Jahrhundert-Hochwassers an der Elbe aus. Im EHF-Cup, an dem man als Titelverteidiger erneut teilnehmen konnte, gelangen in Runde drei zwei klare Siege gegen Meshkov Brest (Weissrussland). In der neu eingeführten Gruppenphase wurde FRISCH AUF! Gruppensieger über Naturhouse La Rioja (Spanien), Cimos Koper (Slowenien) und Eskilstuna Guif (Schweden). Momir Rnic war es vorbehalten, mit seinem Last second-Siegtreffer im Viertelfinale gegen Branik Maribor aus Slowenien für den Einzug in das erste EHF-Cup-Final Four zu sorgen. Dort aber war im Halbfinale Schluss gegen die Rhein-Neckar Löwen, die am Ende als verdienter Cupsieger den ersten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte feiern konnten.

An dieser Stelle unterbrechen wir für heute die Erzählung, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass dieser Abschnitt der Vereinshistorie getrost als Ära "Petkovic" bezeichnet werden kann. Der fachlich sehr versierte Trainer forderte jede seine Mannschaften bis aufs Letzte und holte so für sich, seinen Verein und seine Spieler buchstäblich das Beste heraus. Das Vereinsmanagement war stets gefordert, hielt aber nicht zuletzt durch regelmäßige Etaterhöhungen Schritt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Die Spieler, die den Weg mitbeschritten, kamen auf ihr maximales Leistungsniveau, und der Verein zu erfolgreichen Spieljahren und Titelgewinnen. Die nachfolgende Saison 2013/2014 nehmen wir mit in die nächste und damit letzte Ausgabe, auch wenn FRISCH AUF! in diese Saison noch Velimir Petkovic als Trainer hineinging.