Zehn Dekaden Handball bei FRISCH AUF!: Die 90er Jahre

Zum Ende der Saison 1988/89 stieg FRISCH AUF! erstmals aus sportlichen Gründen von der ersten in die zweite Bundesliga ab. Nach den vielen erfolgreichen Jahren seit den 50er und 60er Jahren gab es nur zwei Spielzeiten, in denen FRISCH AUF! nicht erstklassig war: 1966 verpassten die Grün-Weißen die Qualifikation für die neu eingeführte 1. Liga, konnte aber schon im darauffolgenden Jahr aufsteigen. Und der Betriebsunfall des Zwangsabstiegs 1984 wegen der Causa "Klempel" war ebenfalls bereits ein Jahr später repariert. Nun aber gab es den ersten Abstieg, der neben einer schwachen Saison 1988/89 auch dem Faktor geschuldet war, dass immer mehr Konkurrenzvereine besser mit dem Wandel im Bereich des Sponsorings und Mäzenatentums klar kamen. Natürlich hofften die vielen FRISCH AUF!-Fans, dass ihre Mannschaft möglichst sofort wieder aufsteigen wird, aber alleine aus dieser Erwartungshaltung heraus gelang dies nicht. Zudem verließ Jerzy Klempel den Verein in Richtung des saarländischen Regionalligisten TV Spiesen und von den bisherigen Stammspielern blieben nur Hartwig Schenk, Rolf Schlögl, Claudio Strafe und Joachim "Agge" Waibel. Dagegen waren Rudi Molitor, Paul, Uli Derad und Stefan Kellner bedeutende Abgänge.

Die Saison 1989/90, die FRISCH AUF! weiterhin mit Trainer Arnulf Dümmel anging, litt also von Anfang an unter dem enormen Umbruch. Neuzugänge waren z.B. Igor Domoschenko, Gerd Hofele und Axel Rottler. Schon sehr bald wurde ein Trainerwechsel auf Armin Eisele (Meisterspieler von 1970 und 1972) vorgenommen. Bis Mitte der Saison lief es aber weiterhin so schlecht, dass es zum nächsten Trainerwechsel und zur Nachverpflichtung des rumänischen Toptorwarts Mirca Petran kam. Fortan trainierte Thomas Kibele FRISCH AUF!, im Gespann unterstützt von Rolf Schlögl. Eine deutliche sportliche Verbesserung wurde zwar erzielt, aber der Zuschauerdurchschnitt blieb auf etwa 1400 hängen und von einer Rückkehr in 1. Liga war man weit weg. Am Ende wurde FRISCH AUF! Fünfter mit 30:22 Punkten, neun Punkte hinter dem Zweiten SG Stuttgart-Scharnhausen, der zusammen mit dem Ersten SG Leutershausen aufstieg. Der neue Lokalkonkurrent VfL Pfullingen wurde 7., der VfL Günzburg 13..

In der Saison 1990/91 war der verhältnismäßig junge Trainer Trainer Kibele alleinverantwortlich. "Star-"Torwart Petran fiel mit Verletzungen (Achillesehne) beinahe die komplette Saison aus. Ihn ersetzten Gerd Handerer und der kurzfristig nachverpflichtete ehemalige DDR-Nationaltorwart Jörg Hermann aus Berlin. Eine deutliche spielerische Verbesserung brachten die beiden Rumänen Adolf Kenzel und vor allem Zsolt Akacsos. Zudem waren Bernd Vollmer und Matthias Dudium neu im Team und Rolf Schlögl hielt FRISCH AUF! nach wie vor die Treue. Aus begrenzten Möglichkeiten holte Trainer Thomas Kibele viel heraus und mit einem 3. Platz mit 40:12 Punkten war man nicht weit vom Aufsteiger TV Eitra (44:8 Punkte) und dem Tabellenzweiten TV Hüttenberg entfernt. Die Begeisterung bei den Fans war zurück.

Zu Beginn der Saison 1991/92 führte die Deutsche Wiedervereinigung zu drei Zweitliga-Staffeln: FRISCH AUF! wurde, weiterhin unter Trainer Thomas Kibele, im Süden 3. mit 35:17 Punkten. Dazu beigetragen hatten neben dem inzwischen genesenen Torwart Mircea Petran die Neuzugänge Jenö Putics und Linkshänder Thomas Pohl, ein Instinkthandballer mit tollem Wurf. Neu im Team war auch der junge Kreisläufer Michael Lackinger. Zsolt Akacsos war dagegen von Erlangen abgeworben worden. In die erste Liga stieg Eintracht Wiesbaden mit 42:10 Punkten auf. Die SG Stuttgart-Scharnhausen wurde Vizemeister. Besonders zu erwähnen aus dieser Saison waren aber zum Beispiel die Gastspiele beim Zwickauer HC Grubenlampe, beim ATSV Freiberg und beim OSC Löbau, bei denen sich leidgeplagte FRISCH AUF!-Fans permanenten Beschimpfungen als "Wessis" ausgesetzt sahen. Weitere, aber wirkliche Highlights waren die  Derbys mit Ossweil, Pfullingen und Günzburg.

In der Saison 1992/93 lief es dagegen nicht mehr so toll. Obwohl das Team von Trainer Thomas Kibele mit großen Ambitionen in die Saison gestartet war, fand man sich im Lauf der Vorrunde im Abstiegskampf wieder. Eine Nachverpflichtung von Spielern kam angesichts der ohnehin klammen Finanzsituation nicht in Frage. Vielmehr musste sogar Torwart Mircea Petran gegen Ablöse nach Suhl abgegeben werden. Rolf Schlögl übernahm in der Saisonmitte das Traineramt von Thomas Kibele. Immerhin gelang FRISCH AUF! nach zuvor 8:18 Punkten noch der 9. Platz im Abschlussklassement mit 24:28 Punkten. In die 1. Liga stieg aber die SG Stuttgart-Scharnhausen, inzwischen großer württembergischer Konkurrent, auf. Pfullingen, Günzburg (zog aber danach zurück) und Ossweil landeten noch vor FRISCH AUF!. Die finanziellen Probleme, der Zuschauerschnitt war von ca. 2500 auf 1900 gefallen, führten dann zur endgültigen wirtschaftlichen Ausgliederung und Gründung einer "Handball-GmbH" unter Leitung von Geschäftsführer Karl Friedrich. Jenö Putics, Gerd Hofele, Thomas Pohl und Top-Torschütze Jörg Spreitzer verließen den Klub und auch Rolf Schlögl hörte nach 10 Jahren erste Liga und 4 Jahren 2. Liga, in denen er sich große Verdienste um FRISCH AUF! erworben hatte, auf.

In die Saison 1993/94 ging die zweite 2. Liga jetzt wieder in zwei Staffeln, denn die Ostvereine waren inzwischen im wahrsten Sinn des Wortes abgewickelt. Beinahe kein Ostklub konnte sich in der ersten und zweiten Liga halten. Aufgrund des geringen FRISCH AUF!-Etats musste der neue Trainer Dr. Stefan König mit einer sehr jungen Mannschaft an den Start gehen. Aus der A-Jugend Meistermannschaft des TSV Heiningen wechselten Tobias Steinbach, Thomas Doll und Markus Gaugisch zu FRISCH AUF!. Ferner kamen die Neuzugänge Riethmüller, Susic und Lutteri nach Göppingen und vom alten Stamm blieben Thomas Pohl und Gerd Handerer. Mit Matthias Dudium und Christian Fina kamen weitere Spieler aus dem Kreis und der eigene Jugend. Diese Mannschaft war dem Abstiegskampf in der 2. Liga nicht gewachsen. Selbst das Comeback nach Verletzung von Bernd Vollmer und ein später Trainerwechsel auf Wolfgang Don brachten keinen Erfolg mehr und so wurde FRISCH AUF! mit schwachen 18:50 Punkten nur 17. und Vorletzter. Der sportliche Abstieg war besiegelt.

Dem Gang in die Drittklassigkeit entging FRISCH AUF! dann aber durch Bildung einer Spielgemeinschaft mit dem Erstligaabsteiger TSV Scharnhausen. Aus Scharnhausen blieben die Spieler Uwe Brinzing, Sergej Budanow, Stephan Krebietke, Wolfgang Birk, Thomas Schweizer, Mike Wolz und Ingo Seeger sowie Trainer Dr. Rolf Brack. Aus der FRISCH AUF!-Mannschaft blieben z.B.  Thomas Holl, Tobias Steinbach, Michael Lackinger und Matthias Dudium. In der Saison 1994/95 wurde diese Mannschaft der SG Göppingen/Scharnhausen 5. mit 45:23 Punkten. Zweitligameister und Aufsteiger wurde der OSC Rheinhausen. Weitere Kontrahenten waren damals Melsungen, Eisenach, Suhl, Aue, Hüttenberg und Wiesbaden.

In der Saison 1995/96 wurde die SG 3. mit 50:18 Punkten, allerdings doch mit zehn Punkte hinter dem späteren Aufsteiger TuS Schutterwald und dem Zweiten HSG Dutenhofen/Münchholzhausen. Bekanntester FRISCH AUF!-Spieler war Neuzugang Oleg Gagin, der als knapp 40-Jähriger auf Halbrechts immerhin noch 63 Tore beisteuerte. Und auch Peter de Hooge war ein wirkungsvoller Rückraumspieler. Als sich abzeichnete, dass das Ziel Aufstieg nicht erreicht würde, trennte sich die SG von Trainer Dr. Rolf Brack und Oleg Gagin übernahm als Spielertrainer.

In die Saison 1996/97 ging die SG weiterhin mit Oleg Gagin als Trainer. Mit Bozo Rudic kam ein wurfstarker Nachfolger auf Halbrechts. An Weihnachten witterten die SG-Verantwortlichen noch eine Aufstiegschance und gingen mit der Nach-Verpfichtung von Nationalspieler Markus Hochhaus von der SG Flensburg-Handewitt "All-In". Leider ging es danach sportlich eher abwärts, denn am Ende fehlten als 4. mit 43:25 Punkten ganze fünfzehn Punkte auf Aufsteiger ThSV Eisenach. Die finanzielle Situation der Spielgemeinschaft war inzwischen so kritisch, dass die Verantwortlichen des TSV Scharnhausen die SG für ihren ihren Verein kündigten. Das dreijährige Kapitel der Spielgemeinschaft ist hier recht kurz gehalten, wird aber zu einem späteren Zeitpunkt Inhalt einer Sondergeschichte.